Düsseldorf: Nach vier Jahren Bauzeit ist die Johanneskirche „fit für die Zukunft“

Vielen Düsseldorfer*innen ist die Johanneskirche, die im Zentrum von Düsseldorf umgeben von den Schadow-Arkaden, Martin-Luther-Platz und Börse liegt, zumindest von außen ein Begriff. Einige wissen, dass es die evangelische Stadtkirche ist. Immer mehr Menschen schätzen die Kirche aber auch, weil sie nicht nur ein Gotteshaus, sondern auch Treffpunkt und Veranstaltungsort für Kultur und Bildung ist.

Die italienische Künstlerin Patrizia Casagranda stellt aktuell ihre Werke im Kirchenschif aus
Aber das unter Denkmalschutz stehende Gebäude aus dem Jahr 1881 musste saniert werden. Es war die erste protestantische Kirche, die sich nicht in einem Hinterhof verstecken musste, sondern stolz direkt mitten in der Stadt gebaut wurde. „Die Johanneskirche ist ein Statement. Sie sagt: Wir sind hier, wie gehen auch nicht weg“, stellt Stadt-Superintendent Heinrich Fucks fest.

Die Baugerüste im Kirchenschiff sind abgebaut, die Gemeinde kann wieder ohne Einschränkungen Gottesdienste feiern
Das evangelische Gotteshaus wurde durch einen Bombentreffer am 12. Juni 1943 schwer beschädigt und nach dem Krieg wieder aufgebaut. Doch das für die Arbeiten verwendete Material war in die Jahre gekommen. „Im Jahr 2015 haben wir auf dem Boden des Kirchenschiffs immer wieder Sand gefunden. Irgendwann war klar, dass es mit wegfegen nicht getan war“,erläuterte Fucks augenzwinkernd. „Und als wir mit einem Gerät, das man aus den Arztpraxen von Darmspiegelungen kennt, in das Innere der Deckenkonstruktion vorgedrungen sind, wussten wir sofort, wir müssen handeln.“ Die an der Dachkonstruktion aufgehängte Decke drohte abzustürzen, weil die Haken verwittert waren.“

Auch die Orgel wurde restauriert
Und nicht nur das. Nach und nach stellten sich weitere Probleme ein. Deshalb wurde 2015 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben und 2017 die Planungsphase begonnen. Synodalassessor und Pfarrer Martin Fricke wurde von Stadt-Superintendenten zum Vorsitzenden des Bauausschusses bestimmt. „Ich glaube zwar, ganz gut Prozesse steuern zu können, aber vom Bauen hatte ich keine Ahnung und vom Bauen im Bestand schon gar nicht. Das ist etwas völlig anderes, eine vollkommen andere Disziplin,“ berichtete Fricke. „Ich habe nicht nur übers Bauen viel gelernt, sondern auch über die Kirche selbst. Die Johanneskirche ist ein riesiger Organismus mit Hauptschiff, Seitenschiffen, Emporen, verschiedenen Sälen, Türmen und so einigen Geheimnissen. Man bekommt Ehrfurcht vor diesem Gebäude.“ Das Kirchenschiff ist stolze 61 Meter lang und der Turm 87,5 Meter hoch.

Synodalassessor Martin Fricke und Stadtsuperintendent Henrich Fucks
„Unser Ausgangspunkt damals war eine Baukostensumme von 9,5 Millionen Euro“, berichtete Fucks. „Dann kam ein längerer Baustopp und gelandet sind wir jetzt bei 17 Millionen.“ Finanziert wurde das durch Kirchenmittel, öffentliche Förderungen und einer erfolgreichen Fundraising-Aktion. „Wir konnten mehr als drei Millionen Euro an Spendenmitteln einwerben“, freute sich der Superintendent und versicherte: „Bisher haben wir 566 Rechnungen erhalten und alle bezahlt.“

Pfarrer Gert Ulrich Brinkmann freut sich, dass der größte Teil der Arbeiten erledigt ist
Ein paar Rechnungen werden jedoch noch kommen, denn die vierjährige Bauphase ist noch nicht komplett abgeschlossen. „Als wir vor einem Jahr den Termin für den Festgottesdienstes festgelegt haben, hatten wir gehofft, das 99 bis 100 Prozent der Arbeiten abgeschlossen sind. Aber wir stehen jetzt bei 90, 95 Prozent“, erklärte Johanneskirchen-Pfarrer Gert Ulrich Brinkmann. „Bauen im Bestand eines denkmalgeschützten Gebäudes bringt eben so seine Probleme und Überraschungen mit sich.“ Doch die endgültige Gerüstfreiheit des ehrwürdigen Gebäudes ist avisiert. „Die bauliche Abnahme der Nebenräume wie dem Bachsaal und des Aufzugs sollen Ende Oktober erfolgen“, berichtet Fucks.

Kirchenmusikdirektor Wolfgang Abendroth gestaltete gemeinsam mit dem Gemeindechor den musikalischen Teil des Festgottesdienstes
Am Sonntag (4.10.) wurde deshalb gerne schon der Festgottesdienst mit anschließenden Empfang gemeinsam mit der Gemeinde gefeiert.