Was uns blüht: Blumenpracht im Kunstpalast Düsseldorf

Die Puristen werden sich mokieren. Schließlich soll man sich im Museum gefälligst auf die Kunst konzentrieren. Blumen braucht der aufmerksame Geist nicht dazu. Aber sie sind eine Freude – und ein guter Grund, in den kommenden Frühlingstagen noch einmal durch die städtische Sammlung am Ehrenhof zu laufen. Immer der sensiblen Nase nach: Ein Duft zieht zart durch die Säle. Zum zweiten Mal lädt Generaldirektor Felix Krämer zum „Palastblühen“. Dabei zeigt sich, dass manche Arrangements durchaus die Qualität vergänglicher Skulpturen haben.

Palastblühen: Generaldirektor Felix Krämer (zwischen „Verborgenen Schönheiten“ des Floristen Michael Frings vor einer Collage von Tony Cragg) freut sich über die blumigen Werke in der städtischen Kunstsammlung. Foto: bikö
„Ja, für mich ist das Kunst“, sagt Felix Krämer entschieden. Ähnliche Aktionen kennt er aus dem amerikanischen Kulturkreis, wo die Grenze zwischen ernsthaftem Anspruch und unterhaltsamen Methoden ohnehin nicht so streng gezogen wird wie im deutschen Oberlehrer-Milieu. Der Erfolg gibt dem experimentierfreudigen Institutsleiter sowieso recht: An den neun Tagen des ersten Palastblühens vor einem Jahr kamen 26 000 Besucher*innen. Und zückten die Smartphones, um Fotos zu machen, die begeistert verbreitet wurden. Eine bessere Werbung für das Museum und die Floristen kann es kaum geben. „Win-Win“, schmunzelt Krämer.

Freche Blumen: Die falsche Mona Lisa von Moritz Röbbecke (1897) und das Arrangement „Zwischen Blüte und Illusion“ des Floristen Dominik Zelles. Foto: bikö
Teppich aus Blumen

„Weiche Klarheit“ soll das Blumenarrangement von Victoria Bernds vor dem Altarbild vermitteln. Foto: bikö
Dann schauen wir mal, was uns blüht. Nichts Konventionelles, das sei schon mal versichert. Gleich zu Anfang, bei der Kirchenkunst und den Madonnen des Spätmittelalters, hängt und liegt ein sieben Meter langer, leicht nach Heu riechender Teppich, den der Gerresheimer Blumenkünstler Manfred Hoffmann („A la Casa del Fiore“) aus creme-weißen, heimischen und exotischen Blüten, Gräsern, Zweigen „gewoben, geknotet, gebunden“ hat. Ein Werk, so sagt er, „für die Religionen der Welt“. Mit Sträußen aus Calla, Tulpen, Ranunkeln, Skabiosen und Anthurien huldigt Victoria Bernds (Blumenbinderei Lehmann) dem Bild der Muttergottes und nennt das „Weiche Klarheit“.

Den Religionen der Welt widmet der Gerresheimer Florist Manfred Hoffmann (im Bild) seinen Teppich aus Blüten, Zweigen, Gräsern. Foto: bikö
Ganz zurückhaltend hat Tino Hoogterp (Blumenhaus am Hofgarten) gearbeitet. Er steckte Berberis-Triebe in Tüten aus Transparentpapier und schuf daraus ein Kunstobjekt, das zart und rätselhaft neben einer Rüstung steht. Im Saal des barocken Düsseldorfer Kurfürsten Jan Wellem korrespondiert eine Schale voller roter Rosenblüten mit einer Stele voller Anthurien: „Der ewige Kampf um die Macht“, heißt die anspruchsvolle Komposition von Manfred Hoffmann.

Blumen für Jan Wellem: Rosen und Anthurien von Manfred Hoffmann blühen hier für den „Ewigen Kampf um die Macht“. Foto: bikö
Knospen für Rubens
Die blühenden Installationen konkurrieren lustvoll mit der Kunst – und stehlen ihr gelegentlich die Schau. Floristmeister Victor Breuer arrangierte eine Fülle von exotischen Blüten und knorrig knospenden Frühlingszweigen auf Holzmöbeln im Wendeltreppensaal, wo Rubens „Himmelfahrt Mariens“ und das Wandobjekt von El Anatsui hängen. Mit dem Titel stellt der Blumenkünstler keck die Verbindung zur Sammlung her: „Es bitten zu Tisch – Rubens, El Anatsui und Breuer“.

Blühende Einladung des Floristmeisters Victor Breuer: „Es bitten zu Tisch – Rubens, El Anatsui und Breuer“. Foto: bikö
„Kreativität, Witz, intelligente Bezüge“ bescheinigt Krämer den 13 beteiligten Floristen aus acht Düsseldorfer Fachgeschäften. „Blumiger Kopfschmuck“, kreiert von Alla Mandic (Nymph Blumen), kommentiert mit Humor ein Regal voll historischer Kappen. Und die reine Schönheit kommt auch nicht zu kurz. Dunkelrot wie der Samt im Kleid der Italienerin und zart lila wie das Gewand des blonden Fräuleins Germania (Eduard Bendemann: „Zwei Mädchen am Brunnen“) leuchten Rosen und Ranunkeln in der „Synthese“ von Victoria Bernds.

Zauberhafte Begegnung: „Zwei Mädchen am Brunnen“ von Eduard Bendemann und die passenden Blumen von Victoria Bernds. Foto: bikö
Wolke aus Schleierkraut
Für einen abgedunkelten Raum, vor düsteren Motiven, hat Kristina Janet Schacke (Blumenhaus am Hofgarten) einen melancholisch-violetten Strauß aus Vanda, Calla und Aubergine gebunden („Gegen den Strom“). Wie eine „Wolke“ lässt Floristin Jule Schnaugst ein Gebinde aus Schleierkraut unter der Galeriedecke schweben. Bei Michael Frings (Tannendiele) entsteht aus den zarten Blüten eine Dornröschenhecke rund um ein „Schlafendes Mädchen“ von Hans Op de Beeck.

Schleierkraut an Skulptur: Der Florist Michael Frings schuf eine Art Blütenhecke für ein „Schlafendes Mädchen“ auf der grauen Bronzecouch von Hans Op de Beeck. Foto: bikö
Da sind wir schon mitten in der modernen Abteilung, wo weitere Überraschungen warten. Sabine Krusekopf von Dornrose schiebt dem legendären VW Käfer einen Mix aus Frühlingsblumen auf einem Rollbrett vor die Stoßstange („Wolfsburg“). Nina Gehrke (October First Studio) ergänzt die konstruktiven „Farbreihen“ des Schweizers Richard Paul Lohse mit „17 Farbreihen“ aus Rittersporn, Nelken und Frühlingszweigen. Neun Tage bleibt die blühende Kunst. Was verwelkt, wird diskret ersetzt.

Konstruktiv: „17 Farbreihen“ von Floristin Nina Gehrke vor Richard Paul Lohses „15 systematischen Farbreihen mit blauem Zentrum“ (1950/67). Foto: bikö
Was, wann und wo?
Das „Palastblühen“ mit 28 floristischen Arrangements unter der Projektlkeitung von Lena Spoo ist bis zum 30. März in der Sammlung des Düsseldorfer Kunstpalastes zu sehen. Täglich, auch montags, 10 bis 18 Uhr, Do. bis 21 Uhr. Tickets (für alle Ausstellungen) kosten 16 Euro. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt. www.kunstpalast.de

Einfach schön: Das „Zusammenkommen“ von Tulpen, Ranunkeln und Narzissen in Nina Gehrkes Strauß neben dem allegorischen Bild „Der Frühling küsst die Erde“ von Alexander Franz (1894). Foto: bikö