Düsseldorf – Verdacht auf Insiderhandel: Staatsanwaltschaft durchsucht Metro-Büros

Schwer wiegender Verdacht gegen die Führung und den Aufsichtsrat der Düsseldorfer Metro: Polizei und Staatsanwaltschaft haben am Freitag (3.11.) Büros in der Konzernzentrale durchsucht. Ermittelt wird gegen den Aufsichtsratschef Jürgen Steinemann und ein Vorstandsmitglied. Sie sollen Insiderinformationen genutzt haben, um zum richtigen Zeitpunkt selber Aktien zu kaufen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Bafin, hat die Anzeige erstattet. Der Spiegel hat die Geschichte als erste aufgedeckt.
Jürgen Steinemann, heute Aufsichtsratschef der Handelssparte der Metro.
Es geht um Aktienkäufe im vergangenen Jahr. Aufsichtsratschef Jürgen Steinemann, so heißt es, habe am 22. Februar 2016 für eine Million Euro Metro-Aktien erworben. Gut vier Wochen später, am 30. März 2016, kündigte der Konzern an, sich in zwei Teile aufspalten zu wollen – die Ceconomy mit Media-Markt und Saturn als Spezialist für Konsumenten-Elektronik und die Metro mit dem klassischen Großhandelsgeschäft und der Warenhauskette-Real. Die Börse reagierte auf diese Nachricht mit einem Kurssprung. Denn Streitigkeiten mit Media-Markt-Gründer Kellerhals hatten die Metro jahrelang gelähmt.
Kursgewinn von 25 Prozent
Die Süddeutsche Zeitung schätzt, dass das Aktienpaket von Jürgen Steinemann heute – nach 19 Monaten – „etwa 25 Prozent mehr wert ist als beim Kauf im Februar 2016“. Das rief die Bafin auf den Plan. Bei dem in offiziellen Stellungnahmen nicht genannten Vorstandsmitglied soll es sich nach übereinstimmenden Medien-Berichten von Welt und Süddeutscher Zeitung um den Großhandelsvorstand Pieter Boone handeln. Er habe für 50.000 Euro Metro-Aktien gekauft und möglicherweise gegen Veröffentlichungspflichten verstoßen.
Staatsanwaltschaft will sich am Montag äußern
Ein Sprecher der Metro bestätigte die Durchsuchungen am Freitag und kündigte an, die Metro werde mit den Strafverfolgungs- und Justizbehörden voll umfänglich zusammenarbeiten. Die Vorwürfe wies der Unternehmenssprecher zugleich zurück. Demnach hätten am 22. Februar 2016 keine Insiderinformationen vorgelegen. Auch habe die Metro die Teilungspläne sofort veröffentlicht. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft will sich am Montag zu den Ermittlungen und ersten Erkenntnissen äußern.
Foto: Metro