Düsseldorf: Wer ein Glashaus besitzt, sollte nicht mit Scheinen schmeißen

Für den Schneewittchensarg von der Kö – den 1,4 Millionen Euro teuren Infopavillon Kö-Bogen – wird eine Zukunft gesucht. Die mit 210.000 Euro preiswerteste Lösung wäre, das Gebäude aus Stahl und Glas zu verschrotten. Daneben aber gibt es vier Standorte in der Stadt, zu denen das Glashaus versetzt werden könnte. Die Kosten dafür betragen laut Auskunft der Bauverwaltung: 1,4 Millionen Euro. Plus die anschließenden, jährlichen Betriebskosten.
In der politischen Diskussion ist der augenblickliche Stand: Grüne, FDP und der Bund der Steuerzahler sind klar für das Verschrotten. Andreas Hartnigk, Vize der CDU-Ratsfraktion, plädierte im Gespräch mit report-D dafür, nicht bloß auf die Kosten zu schauen, sondern auch auf die Chancen durch eine weitere Nutzung des Pavillons. Darüber müsse sich die CDU-Fraktion im Düsseldorfer Rat allerdings erst noch eine Meinung bilden. Die SPD war von report-D angefragt, reagierte aber gar nicht.
Ob der Dreiklang noch stimmt?
Das sind die vier möglichen Standorte:
Der Kamper Acker in Holthausen – im Kontrast zum Namen das Zentrum des Stadtteils. Seit Jahren in der Diskussion, weil dort Menschen sitzen und trinken.
Der Rather Broich – dort will die Verkehrswacht aus dem Pavillon eine Verkehrsschule machen
Der Kaiserteich am alten Landtag – wo der Pavillon die Lücke füllen könnte, die der Abriss von Gastronomie und Bootshaus hinterlassen haben. Allerdings könnte dort nur ein Teil des Pavillons aufgebaut werden.
Die Reuterkaserne – auf dem Deckel des Rheinufertunnels – Höhe Kunstakademie.
FDP und Grüne: Abriss! CDU: Nicht nur die Kosten zählen! SPD?
Marie-Agnes Strack-Zimmermann von der FDP wirft nur einen kurzen Blick auf das Kleeblatt der Möglichkeiten und senkt dann den Daumen. Mit der Sanierung der Schulen, der Hallenbäder und der Unterbringung aller Flüchtlinge habe die Stadt dringende Aufgaben zu finanzieren. Mittel sind daher knapp: Verschrottung.
Ähnlich äußert sich der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen Stephan Soll. Er lenkt den Blick vor allem auf das, was in dem Pavillon passieren würde: „Auch bei den konkretesten Idee…gibt es offene Punkte, insbesondere zu den Nutzungskonzepten und Betriebskosten…Stand heute gibt es kein passendes und tragfähiges Konzept, so dass wir aktuell für die Verschrottung wären.“ Bestenfalls für ein Ausschlachten: So könnte der Aufzug des Pavillons vielleicht anderswo verwendet werden.
Andreas Hartnigk von der CDU plädiert dafür, es sich nicht zu einfach zu machen. Wer allein auf die Kosten schaue, sei natürlich schnell bei der Verschrottung. Doch müsse die Politik die Chancen dagegen rechnen, die zum Beispiel durch eine weitere Nutzung des Pavillons entstünden. Auf dem Kamper Acker in Holthausen etwa könnte der Pavillon einen ganzen Stadtteil aufwerten. Dies müsse bei einer Entscheidungsfindung mitbedacht werden.
Während seine Partei, die SPD, sprachlos verharrt, wird Oberbürgermeister Thomas Geisel ebenfalls eine Sympathie für den Kamper Acker als neuen Pavillon-Standort nachgesagt. Er halte im Übrigen die vom Baudezernenten Bonin genannten Kosten für eine Umsetzung für zu hoch.
KOMMENTAR
Ein totes Pferd
Schon in früher Jugend lernen die Indianer: Wenn ein Pferd tot ist, steigt man ab und fängt sich ein neues. Schneewittchens gläserner Kö-Sarg ist so ein totes Pferd. Oder glaubt irgendjemand daran, dass es dem Kamper Acker in Holthausen hilft, wenn künftig Heerscharen von Sparfüchsen dorthin reisen, um ein gläsernes Grab für Steuergelder zu besuchen? Auf eine Aufwertung von solcher Art Tourismus kann Holthausen gut verzichten. Eine Verkehrsschule ist eine gute Idee, braucht aber eine andere Art von Räumen, der Kaiserteich bekäme mit dem Glashaus ein Ufo, das mitten in historischen Fassaden landet und beim Standort Reuterkaserne fehlt ein Nutzungskonzept völlig.
Es gibt für den Pavillon keine Inhalte, keinen Verwendungszweck, der den Aufwand einer erneuten Umsetzung rechtfertigen würden. Allerdings ist es ein weiterer Schritt zur Entfernung des Baudezernenten Bonin. Der hatte bei Erstanschaffung des Glashauses durch den famosen Dirk Elbers getönt, das Haus sei so konstruiert, dass man es jederzeit ab- und an neuen Standorten aufbauen könne. Einmal hat das bereits mehr als 800.000 Euro gekostet und Düsseldorf einen Eintrag ins Schwarzbuch der Steuerverschwender eingetragen; nun sollen 1,2 Millionen Euro berappt werden – fast so viel, wie der Bau neu gekostet hat. Erneut wurden die Düsseldorfer von Bonin hinters Licht geführt. Denn ein leicht demontier- und transportierbares Ikea-Glashaus ist das ja wohl nicht.